Butendiek

Newsletter 1/2006

Liebe Butendieker,

mit dem aktuellen Newsletter informieren wir Sie über die Entwicklung von Butendiek seit Jahresbeginn, der  Offshore-Entwicklung in Deutschland und Europa allgemein sowie der politischen Rahmenbedingungen :

1. Projektentwicklung Butendiek

1.1. Genehmigung der Kabeltrasse:

Die Genehmigung der von uns und dem Nachbarwindpark Dan Tysk beantragten Kabeltrasse ist ein zähes Geschäft! Im Zuge der Bearbeitung mussten wir mehrfach ergänzende Gutachten zur Erwärmung des Bodens im Wattenmeer und an Land, zu möglichen Auswirkungen auf vorhandene Schutzgebiete und deren Nutzer erstellen und nachreichen. Es sind bisher keine Kriterien bekannt, die zu einer Verweigerung der Genehmigung führen könnten. Die Aussage einiger Politiker im letzten Jahr, dass die Genehmigung bis Ende 2005, spätestens im 1. Halbjahr 2006 vorliegen würde, hat sich bis heute leider noch nicht erfüllt. Wir haben die Zeit aber auch genutzt, um weitere Optimierungen an der Kabeltrasse vorzunehmen und mit einzureichen.

1.2. Generalunternehmer für Butendiek:

Im letzten Newsletter vom Dezember 2005 haben wir Sie darüber informiert, dass eine grundsätzliche Voraussetzung für die Finanzierung von Butendiek durch die Banken das Vorhandensein eines Generalunternehmers (GU) ist, der für den Bau und Betrieb aller Gewerke die Gesamtverantwortung übernimmt.

Hintergrund dieser Anforderung ist die Befürchtung der Banken, dass es beim Bau zu Verzögerungen und damit zu Verteuerungen kommt. Kostensteigerungen würden bei einer klassischen Projektfinanzierung (wie es bei uns der Fall ist) im Zweifel aber nur über neues Fremdkapital bezahlt werden können.

Wir haben diese Forderungen in den vergangenen Monaten mit Banken und Anlagenlieferanten nochmals intensiv besprochen, ohne eine Änderung herbeiführen zu können.

Wir führen daher seit Beginn des Jahres  auch Verhandlungen mit potentiellen strategischen Partnern, die diese Bankenanforderungen erfüllen können. Der strategische Partner muss die umfangreichen Risiken aus Bau, Inbetriebnahme und Finanzierung von Butendiek übernehmen. Dafür erhält er die Chance, an einem der interessantesten Offshore-Projekte Deutschlands beteiligt zu werden, know how zu erwerben und dies ggfls. für weitere Projekte zu nutzen.

Butendiek würde folgende Vorteile aus einer solchen Partnerschaft ziehen:

- die Bau-, Inbetriebnahme- und Finanzierungsrisiken werden auf den GU verlagert

- Kapitalerhöhung und Fremdfinanzierung für unseren Teil des Windparks werden auf eine sehr viel gesichertere Grundlage gestellt

- die wirtschaftlichen Chancen und Risiken werden für uns und Sie viel kalkulierbarer, da jeder die Entscheidung zur Beteiligung erst treffen muss, wenn der Windpark läuft.

- unsere Grundidee eines Bürger-Windparks bliebe erhalten

Wir werden Sie über die weitere Entwicklung dieser Gespräche zeitnah informieren. Eine Umsetzung bedarf der Zustimmung der Mehrheit der Gesellschafter und würde dann entsprechende Änderungen im Gesellschaftsvertrag erfordern

1.3 Beschwerde des BUND bei der EU-Kommission

Der Naturschutzbund BUND hat im Jahr 2003 Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die Baugenehmigung eingereicht. Grund: Unser geplantes Baugebiet liegt innerhalb eines Vogelschutzgebietes (IBA). Wir haben lange Zeit nichts vom Fortgang der Beschwerde gehört. Im April 2006 haben wir die erfreuliche Mitteilung erhalten, dass die EU-Kommission das Beschwerdeverfahren eingestellt hat.

Damit ist die rechtliche Situation von Butendiek deutlich verbessert worden!

1.4 Kapitalerhöhung Butendiek

Wir werden die im letzten Jahr angedachte Kapitalerhöhung mit einem Volumen bis zu 5 Mio. Euro (20.000 Anteile zu je 250 Euro) weiterhin noch nicht anbieten. Vorrang hat für uns der Erhalt der Vollgenehmigung (Kabeltrasse, Einspeisereservierung der e.on) sowie der Ausgang der Gespräche mit den möglichen strategischen Partnern.

2. Offshore-Entwicklung allgemein:

2.1 Deutschland

Offshore-Windenergie spielt  sowohl für die neue Landes- als auch für die neue Bundesregierung eine wichtige Rolle im Rahmen ihrer Energiepolitik. Dies ist auf dem Energiegipfel im April sowie auf vielen Konferenzen und Messen immer wieder gesagt geworden. Allerdings müssen wir feststellen, dass in Deutschland anders als in anderen europäischen Ländern bisher kein einziger Offshore-Windpark realisiert wurde.  Was sind die Gründe? Natürlich haben alle Projektierer, auch die großen Energieversorger, erkannt, dass die Kosten sowohl im Bau (WEA, Fundamente, Kabel) als auch im Betrieb (Wartung, Zinsen) deutlich angestiegen sind. Bei unveränderter Vergütung  (bei Inbetriebnahme ab 2008 sogar mit einer Degression von 2 % p.a.) müssen die Renditechancen bei allen Projekten dementsprechend sinken bzw. ins Negative gehen. Zusätzlich hat die weltweite Nachfrage nach Windenergieanlagen (oft gestützt auf ein Vergütungsmodell nach deutschem Vorbild!) dazu geführt, dass die Anlagenhersteller ihre Windmühlen zu höheren Preisen mit geringeren Risiken ins Ausland verkaufen können. Folge: Bei unveränderten Rahmenbedingungen bei der Vergütung wird kein einziger Offshore-Windpark in Deutschland rentabel betrieben werden können und damit wohl auch nicht gebaut werden!

Wir sind im Gespräch mit der Politik, wie die Rahmenbedingungen verbessert werden können. Ein Warten auf die Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) im Jahre 2008 dauert viel zu lange und könnte zur Folge haben, dass vor dem Jahr 2010 nicht mit dem Bau der ersten Offshore-Windparks begonnen wird. Ob die deutsche Offshore Wirtschaft bereit ist so lange zu warten, darf bezweifelt werden. Aber es gibt auch positive Signale für Offshore: Die geplante Errichtung  des ersten deutschen Testfeldes vor Borkum (12 WEAs zu je 5 MW) in den Jahren 2007/2008 durch die deutsche Offshore-Stiftung wird wertvolle Erkenntnisse für die weitere Entwicklung liefern. Und im Jahr 2007 soll eine dritte Offshore-Forschungsplattform (Neptun) errichtet werden. Der Standort liegt ca. 70 km westlich von Sylt. Die Forschungsergebnisse werden in vielfacher Hinsicht auch auf unseren Standort übertragbar sein. Es bleibt aber die dringende Forderung an die Politik, kurzfristig Maßnahmen zu beschließen, damit Offshore-Windparks nicht nur genehmigt (mittlerweile sind es schon 13 Windparks in Nord- und Ostsee!) sondern auch gebaut werden!

2.2 Europa

Aktuell sind folgende größere Offshore-Windparks in Europa in Betrieb bzw. im Bau:

Name/Land

Baujahr

Hersteller

Anzahl/Größe

Wassertiefe

Entfernung zur Küste

Middelgrunden/DK

2001

Bonus

20 x 2,0 MW

  2 -   6 m

    2 km

Horns Rev/DK

2002

Vestas

80 x 2,0 MW

  6 - 14 m

  14 km

Nystedt/DK

2003

Bonus

72 x 2,3 MW

  6 - 10 m

    9 km

Samsö/DK

2003

Bonus

10 x 2,3 MW

11 - 18 m

    3 km

Arklow Bank/Irland

2003

GE

  7 x 3,6 MW

         5 m

    7 km

North Hoyle/UK

2003/2004

Vestas

30 x 2,0 MW

       12 m

    7 km

Scroby Sands/UK

2004

Vestas

30 x 2,0 MW

       12 m

    2 km

Kentish Flats/UK

2005

Vestas

30 x 3,0 MW

       15 m

  10 km

Barrow/UK

2006 (im Bau)

Vestas

30 x 3,0 MW

15 - 20 m

    7 km

Egmond am Zee/NL

2006 (im Bau)

Vestas

36 x 3,0 MW

       18 m

  15 km

 

2.3 Strompreisentwicklung

Unabhängig vom weitgehenden Stillstand der deutschen Offshore-Entwicklung ist das Umfeld für Offshore in den letzten Monaten deutlich besser geworden:

-   die Abhängigkeit der deutschen Energiepolitik vom Ausland und hier von Krisenregionen war noch nie so hoch (Öl, Gas, Uran). Alle maßgeblichen Politiker erkennen die Gefahren dieser Abhängigkeiten und fordern eine Reduzierung z.B. durch erneuerbare Energien.

-   die Preise für Öl und Gas erreichen laufend neue Rekordhöhen

-   die Preise in Deutschland an der Leipziger Strombörse  sind im Jahr 2005 um ca. 100 % gestiegen. Windstrom ist z.T. schon günstiger als an der Börse! Damit wirkt Windenergie heute schon preisdämpfend.

-   auch bei einer Anhebung der Vergütungssätze wäre Offshore-Strom immer noch deutlich günstiger als Strom aus anderen regenerativen Bereichen wie z.B. Geothermie (15 cent/kWh) Biogas (bis 18 cent/kWh) oder Photovoltaik (50 cent/kWh für Dachflächen).

Fazit:  Butendiek dauert länger als erwartet. Aber Butendiek wird kommen. Die Verzögerungen sind zwar ärgerlich, bieten aber die Chance, dass unser Projekt qualitativ besser wird!

Mit freundlichen Grüßen aus Husum,

Ihre 9 Gründungsgesellschafter von Butendiek

 

 

 

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