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Butendieker müssen sich verabschieden
23.10.2010
Offshore-Windparkprojekt wird an Bremer verkauft
NordfriesLand
Aus der Traum: Das nordfriesische Erfolgsmodell „Bürger-Windpark“ bleibt an Land. Die Initiatoren von „Butendiek“, dem ersten geplanten Bürger-Meereswindpark als breit gestreutes Anlage-Objekt für jedermann, haben die Rechte aufgegeben. So beschreibt Hans Feddersen in der Husumer Geschäftsstelle die Lage. Der Kaufmann aus Bohmstedt gehört zu den neun Gründervätern von „Butendiek“.
Das Projekt besteht weiter. In Regie der wpd-Gruppe soll der Park unter dem angestammten Namen realisiert werden. Der Betreiber und Entwickler von On- und Offshore-Windparks aus Bremen will 2013 mit dem Bau des 34 Kilometer westlich von Sylt liegenden Windparks beginnen.
Die wpd-Gruppe hat im September von der SEE Renewables Germany Holdings GmbH (Hamburg) 100 Prozent der Anteile an der „Butendiek“-Offshore-Windpark-Holding erworben. Die Hamburger SSE-Renewables ist eine Tochtergesellschaft des britischen Energie-Konzerns Scottish and Southern Energy (SEE). Die Schotten übernahmen 2008 das irische Windkraft-Unternehmen „Airtricity“. Mit den Dublinern waren die Nordfriesen 2007 eine strategische Partnerschaft eingegangen, um ihr Vorhaben voranzutreiben.
Zwei Jahre zuvor hatte das 2001 hoffnungsvoll gestartete „Butendiek“-Projekt vor dem Aus gestanden. „Das Geld war alle“, erklärt Hans Feddersen. „Die Vergütungssätze für Offshore-Windstrom waren zu niedrig.“ Eine rentierliche Betriebsführung erschien unmöglich. Vorverträge mit Vestas über die Lieferung von 80 Windkraftanlagen mussten storniert werden.
Nachdem „Airtricity“ bei „Butendiek“ die Führungsrolle übernommen hatte, nahm das Offshore-Projekt wieder Fahrt auf. Mit Siemens wurde eine Vereinbarung über die Lieferung von 80 Anlagen des Typs SWT-3.6-107 getroffen – herzustellen von der dänischen Siemens Windpower A/S in Brande und von Esbjerg in die Nordsee zu verschiffen. Havneby auf Rømø wurde als Service-Hafen auserkoren. Ungelöst bislang: die Netzanbindung. Obwohl die „Butendieker“ eine Lösung über Sylt durchgeplant hatten, „brauchte die Landesregierung vier Jahre, um nichts zu entscheiden“, hält Feddersen resigniert fest. Durch den Einstieg von „Airtricity“ änderte sich die Struktur von „Butendiek“. Der Deal sah vor, dass die Iren die Projektrechte bis zur Fertigstellung des Windparks übernehmen. Nach der Finanzierungszusage oder nach Inbetriebnahme sollten, so die Vereinbarung, die 8124 Gesellschafter ein Rückkaufsrecht auf bis zu 50 Prozent der Anteile am Windpark erhalten.
Daraus wird nun nichts. Nachdem die britische Regierung die Vergütungssätze für Offshore-Windstrom kräftig angehoben hat, will sich „Airtricity“-Nachfolger SSE auf Projekte in den Heimatgewässern konzentrieren und beendet sein deutsches Engagement, berichtet Feddersen, „obwohl 90 Prozent der Arbeiten an ‚Butendiek‘ abgehakt sind“. Neue Interessenten gab es durchaus – aber: „Ohne den Anhang ‚Butendiek‘“, sagt Feddersen. „Wir hätten die Anteile auch zurückkaufen können. Dann wäre die Kasse aber leer gewesen.“ 2009 schlugen 80 Windrotoren allein mit bis zu 450 Millionen Euro zu Buch. Heute wird das Projekt (ohne Netzanbindung) auf 900 Millionen Euro taxiert – Tendenz: noch steigend. Nach der Finanzkrise verlangen Banken 35 bis 40 Prozent Eigenkapital – statt vorher 25.
Um „Butendiek“ zu retten, sahen die Mannen um Hans Feddersen nur die Chance, alles an die Bremer zu verkaufen. „Von dem Geld, was reinkommt, können wir unseren Gesellschaftern noch eine gute Rendite zahlen.“ Der Kaufmann freut sich, dass die Anteilseigner „Butendiek“ die Treue gehalten haben. Nur zehn Prozent seien im Laufe der Jahre abgesprungen.
Die, die bei der Stange geblieben sind, sind mit dem neuen Kurs einverstanden. Das ist das vorläufige Ergebnis der Abstimmung, zu der die Anteilseigner bis zum 25. Oktober aufgerufen sind. Mindestens 75 Prozent der verbliebenen 7500 Kommanditisten müssen dem Verkauf zustimmen. Diese Rate werde „locker“ erreicht, meint Feddersen. Tenor aber überall: „Schade.“
„Wir werden die Gesellschaft nicht sofort auflösen“, kündigte er an. Möglicherweise werden die Erfahrungen der alten Crew gebraucht. „Wir wollen, dass ‚Butendiek‘ gebaut wird“, betont Feddersen.
„Die wpd-Gruppe strebt eine zügige Realisierung des Projektes an. Sie hat bereits mehrere deutsche Offshore-Windparks erfolgreich entwickelt und setzt derzeit in der Ostsee westlich von Rügen den Windpark ‚Baltic I‘ als Kooperationspartner der EnBW um“, teilte wpd-Offshore-Geschäftsführer Achim Berge auf Anfrage mit.
Willy-Peter Ström