Aktuelles
Joint venture mit Airtricity
01.10.2008
So sehr im Zuge der explodierenden Öl- und Gaspreise die alternativen Energien wieder in den Vordergrund rücken, so ruhig bleibt es um das Projekt Butendiek. Dort hat sich in aller Stille einiges geändert.
Zur Erinnerung: im Jahre 2001 waren 20.000 Anteile des geplanten
Offshore-Bürger-Windparks zu jeweils 250 Euro an 8.412 Gesellschafter verkauft worden. Geplant waren (und sind) 80 Windmühlen-Anlagen 34 km westlich vor Sylt. Der Stromertrag wurde mit einer Milliarde kWh beziffert: Das wäre der Strombedarf von Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Dithmarschen zusammen. Die Anlagen sollten in 20 Meter Wassertiefe aufgestellt werden. Es folgten aufwändige Genehmigungsverfahren, die die Umsetzung verzögerten und fünf Millionen Euro verschlangen: Es ging unter anderem um die Baugenehmigung, Teilgenehmigungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes und allein um hunderte von Verträgen mit Landeigentümern bezüglich der Kabeltrassen. Vor fünf Jahren wurden im Planungsgebiet von einer Hubinsel aus Untersuchungen über die Bodenbeschaffenheit vorgenommen. "Nach sieben Jahren gibt es die Butendiek-Gesellschaft noch", sagt Hans Feddersen, einer der zehn Initiatoren. Es geht jetzt um Verhandlungen mit Firmen über den Preis und die Lieferung von Windmühlen, Kabel und vieles mehr. "Wir stecken in der Phase wie vor drei Jahren. Damals zogen die Preise für Stahl und andere Materialien an. Der Windpark ließ sich nicht mehr finanzieren. Wir suchten einen strategischen Partner und fanden ihn in Airtricity, einem Stromerzeuger und Versorger, der auf regenerative Energie setzt. Für Hans Feddersen und seine Mitstreiter war es wichtig, dass der neue Partner bereit war, auf die Idee des Bürgerwindparks einzugehen. Im Rahmen eines Join ventures gründeten Butendiek und Airtricity eine neue Gesellschaft, die alles abwickelt. Airtricity übernimmt die gesamte Vorfinanzierung sowie die Verantwortung für den Bau und die Inbetriebnahme und kaufte die Baugenehmigung. 98 Prozent der Butendiek-Kommanditisten stimmten dem im Juli 2007 zu. Doch eine Reihe von Anteilseignern kündigte, weil sie die Grundidee eines Bürgerparks widerlegt sahen. Andererseits ist es mittlerweile wohl so, dass sich die Windenergielieferanten wegen der erhöhten Nachfrage die Käufer nach der Bonität aussuchen können. Da hat Airtricity offenbar mehr Reputation, als wenn das Startkapital durch weitere fünf Mio von den Bürgern aufgestockt worden wäre. Butendiek wurde für die bisher erbrachten Leistungen von Airtricity entlohnt und die neun Vertreter der Gründergesellschaft werden weiterhin vor Ort das Projekt begleiten. Außerdem erhält Butendiek eine Rückkaufoption von bis zu 50 Prozent nach der Fertigstellung des Windparks auf der Grundlage der Kosten, die entstanden. Im nächsten Jahr wird Airtricity die Zahlen auf den Tisch legen und dann entscheidet sich, ob Butendiek (im Höchstfall zu 50 %) ein Bürgerwindpark bleibt oder nicht. Die Anleger können dann entscheiden, ob sie aussteigen und ihr eingesetztes Geld zurück haben möchten oder ob sie die Anteile noch bis 5.000 Euro aufstocken.
Während vor einigen Jahren die Mühlen drei Megawatt produzieren konnten, sind die mittlerweile größeren Modelle von heute in der Lage bis zu fünf Megawatt zu leisten. Zwar erfordern größere Windmühlen auch größere Abstände, aber die Leistung ist trotzdem noch um ein Fünftel höher. "Andererseits brauchen größere Mühlen auch ein größeres Fundament und mehr Stahl und sind in der Herstellung teurer, aber der Staat unterstützt ab dem 1. Januar 2009 die Offshore-Mühlen durch ein neues Gesetz. Danach beträgt die Vergütung zwölf Jahre lang 15 Cent pro Kilowattstunde", gibt Hans Feddersen zu bedenken, der auch Vorteile darin sieht, dass sich das Projekt langsamer entwickelt als vorgesehen. "Offshore ist noch verhältnismäßig wenig erprobt. So können wir aus den Fehlern der anderen lernen." Mitte 2009 wird der Mühlenhersteller feststehen. Die Netzanbindung erfolgt über Sylt oder Brunsbüttel. Auf jeden Fall ist das Unternehmen E.ON zuständig für die Netzanbindung. "Entscheidend ist dabei, dass E.ON zum gleichen Zeitpunkt wie wir mit dem Windparkprojekt fertig sein muss. Bis 2012 werden die Anlagen aufgestellt." Vor dem Hintergrund, dass über 20 Genehmigungen für Windkraftparks in der Nordsee vorliegen, ist auch Hans Feddersen klar, dass eine gewaltige Off-Shore-Industrialisierung einsetzen wird. "Zum Glück gibt es keine weiteren Anlagen vor Sylt. Das nächste Gebiet ist 70 km westlich von der Insel." Wirklich schlimm findet Feddersen, wie das Meer von der industriellen Fischerei seit längerem kahl geräumt wird: "Auf dem Meeresboden wächst bald kein Seegras mehr."
Sylter Spiegel 17.09.2008, Christiane Retzlaff