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SPD-Fraktions-Vize Ulrich Kelber zu Besuch bei Butendiek
23.05.2008
Windenergie nur gebremst ans Netz
Die Windkraft wächst nicht so stark wie erhofft. Das macht sich an der Westküste bemerkbar: Neue Mühlen-Standorte an Land sind nicht in Sicht. Das Elektrizitätsnetz kann kaum den derzeit erzeugten Wind-Strom verkraften. Und auf See - bei den Offshore-Windparks - herrscht Funkstille.
Die schleswig-holsteinische Landesregierung attestiert dem Land zwischen den Meeren aber weiterhin hervorragende Chancen als Energie-Standort - vor allem (aber nicht allein) für die regenerativen Energien. Staatssekretär Heinz Maurus (CDU) nannte das Ziel: Bis 2020 soll der gesamte Strom, der im nördlichsten Bundesland benötigt wird, per Wind, Sonne und Biogas erzeugt werden. Während eines Informationsbesuchs bei der "Gesellschaft für Energie und Oekologie" (GEO) wurde der Leiter der Kieler Staatskanzlei aber mit der Wirklichkeit konfrontiert.
Im neuen GEO-Domizil im alten Amtshaus von Langenhorn informierten die Geschäftsführer Marten Jensen und Franz-Josef Claes den Sylter Heinz Maurus darüber, dass die Windmüller der Westküste noch immer auf die Netzverstärkung Breklum-Flensburg warteten. Nach Aussage von GEO-Netzplaner Heinz Carstensen haben die Windpark-Betreiber seit 2004 Ertragsausfälle von bis zu zehn Millionen Euro hinnehmen müssen. Der Investitionsrückgang wird auf 14 Millionen Euro jährlich beziffert.
Eine Freileitung - wie sie die EON plant - löst nach Ansicht der GEO-Leute das Problem nicht. Der Bau rücke in immer weitere Ferne. Zurzeit müsse eine Planänderung abgearbeitet werden. Aussichtsreiche Klagen von Naturschutzverbänden und Enteignungsverfahren würden den Netzausbau erheblich verzögern. Deshalb legten die nordfriesischen Windkraft-Projektierer dem Leiter der Staatskanzlei den Bau des von GEO geplanten Erdkabels ans Herz - mit allen Nebenkosten kaum teurer als die Luft-Variante.
In der Luft hängt auch das von GEO geplante Offshore-Trainings-Entwicklungs-Cluster (OffTEC). Kernstück ist das Gelände des bisherigen Munitionsdepots Enge-Sande. Das Verteidigungsministerium will die Liegenschaft Ende 2010 freigeben. Aber noch sind nicht alle Fragen geklärt. Tangiert sind Bundesvermögensverwaltung, Wehrbereichsverwaltung und Landesplanung.
GEO-Geschäftsführer Marten Jensen machte Maurus unmissverständlich deutlich, dass OffTEC für den Offshore-Bereich wie eine Initialzündung wirke: Komme die Branche auf diesem Gebiet rechtzeitig in die Füße und könne aktiv am Markt operieren, dann seien im Lande bis zu 7 000 neue Arbeitsplätze möglich. Werde die Chance vergeben, werde der Arbeitsplatz-Zuwachs im Eintausender-Bereich verbleiben. "Esbjerg arbeitet an einem eigenen Offshore-Konzept", warnte Marten Jensen. "Wenn wir nicht selber die Initiative ergreifen können, sind wir Anhängsel der Dänen. Die haben uns schon Offerten gemacht."
Ein paar Kilometer südöstlich ging es zur selben Zeit um ähnliche Themen. 56 Meter hoch über Bohmstedt - im geöffneten Maschinenhaus der Windkraft-Anlage Nummer 4 des örtlichen Windparks waren Vertreter des "Butendiek"-Windpark-Projekts darum bemüht, Ulrich Kelber, einen der acht stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion mit der Offshore-Thematik vertraut zu machen. Hans Feddersen und Wolfgang Paulsen machten dem Berliner Politiker deutlich, dass die derzeitig geltende Vergütung für Strom aus deutschen See-Windparks im internationalen Vergleich zu niedrig sei. Eine Anhebung von 9,1 ct/kWh auf 14 ct/kWh ist geplant. Kelber sagte zu, so berichtete Hans Feddersen, sich dafür einzusetzen, dass die entsprechende Regelung schon am 1. August 2008 in Kraft treten kann.
Aber auch dann werden nach Einschätzung der "Butendieker" Offshore-Windparks im deutschen Hoheitsbereich nicht serienweise aus dem Wasser schießen. Wer jetzt Windmühlen ordere, könne frühestens 2011 welche bekommen, berichtete Hans Feddersen. "Die Hersteller sind für 2009 und 2010 ausverkauft."
Ein weiteres Problem für die Windpark-Projektierer sei, dass die Windanlagen-Produzenten bei Bestellung der Mühlen eine zehnprozentige Anzahlung verlangten, unterrichte Feddersen den Bundespolitiker weiter.
Auch mit einer anderen finanziellen Frage haben sich die potenziellen Offshore-Strom-Erzeuger herumzuschlagen: die der Erstattungsfähigkeit der Kosten für die Netzanbindung der See-Windparks. Die Bundes-Netzagentur stehe auf dem Standpunkt, so Feddersen, dass erst der Windpark betriebsbereit sein müsse, um Netzkosten (auch für die Planung) in Rechnung stellen zu können. Das führe dazu, dass ein Seekabel erst gelegt würde, wenn der Offshore-Windpark stehe. Die "Butendiek"-Vertreter schlugen ein integriertes Planungsrecht vor, um die Infrastruktur zeitgleich mit dem Aufbau der See-Windparks entwickeln zu können.
Viel Geld für die Offshore-Kabel
Da die meisten deutschen Offshore-Windparks in einer Küstenentfernung von deutlich über 30 Kilometer geplant sind, betragen die Kosten für die Netzanbindung etwa 20 bis 30 Prozent der gesamten Projektkosten. Mit dem Ende 2006 verabschiedeten Gesetz zur Beschleunigung der Infrastrukturplanung hat sich die Verantwortung für Finanzierung und Betrieb des Netzanschlusses geändert. War der Anschluss der Offshore-Windparks an das Stromnetz an Land davor vom Anlagenbetreiber zu finanzieren, so verpflichtet das Gesetz den nächstgelegenen Netzbetreiber zur Netzanbindung der Offshore-Windparks. Die Kosten für die Netzanbindung trägt der Netzbetreiber. Er kann sie auf alle anderen Übertragungsnetzbetreiber verteilen.
Husumer Nachrichten vom 23.05.2008