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Butendiek zur Messe Husum wind 2007
15.09.2007
Vor den Küsten bläst der Wind stärker – doch die Offshore-Techniker stehen auf See vor großen Herausforderungen
VON SIMONE SCHLÜTER
Vom Land hinaus auf See: Diese Richtung gibt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel für eine Energie-Politik vor, die dem Klimawandel Rechnung tragen soll. Sein Ziel, bis 2020 mindestens 20 Prozent des deutschen Strombedarfs mit erneuerbaren Quellen abzudecken, würde ohne Energie aus Seewind auf jeden Fall Utopie bleiben.
An Land soll sich die „Wind-Ernte“ zwar erhöhen, indem ältere durch größere und leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden: Doch auch das „Repowering“ genügt nicht für die Rechnung des Bundesumweltministers. Gabriel erklärt daher die Offshore-Windenergie zu einer „tragenden Säule der Energieversorgung des 21. Jahrhunderts“. Bis 2030 soll der Anteil der Windenergie an der Stromerzeugung von bisher 5 auf mindestens 25 Prozent steigen: Dabei ist der Löwenanteil von 15 Prozent für die küstenferne Variante vorgesehen. Eine Strategie nach dem Prinzip Hoffnung: Denn vor Deutschlands Küsten dreht sich bisher noch kein Windrad – ausgenommen zwei Testanlagen bei Emden (Enercon E 112, 4,5-Megawatt-Anlagen) und Rostock (2,3-Megawatt-Anlage von Nordex).
Deutsche Offshore-Pioniere müssen mit einem Standort-Nachteil klarkommen: Vor Deutschlands Küsten dürfen Windparks nur in der „Ausschließlichen Wirtschaftszone“ errichtet werden: Dies bedeutet durch die größere Entfernung zum Land Wassertiefen von 20 bis 30 Metern und mehr. Offshore-Erfahrungen aus anderen Ländern sind somit nicht übertragbar. Deshalb ist auf Initiative des Bundesumweltministeriums die Stiftung „Offshore-Windenergie“ ins Leben gerufen worden. 2005 hat die Stiftung die Rechte an dem genehmigten Windpark „Borkum West“ erworben und an ein Konsortium aus EWE, Eon und Vattenfall verpachtet: Die Energie-Riesen errichten 2008 vor Borkum ein Testfeld mit zwölf Windkraftanlagen – vorrangig der Fünf-Megawatt-Klasse.
Außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone, in der der deutsche Seewind genutzt werden darf, hat das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie in Hamburg die Genehmigungs-Hoheit: Für 21 Projekte gibt es inzwischen grünes Licht – darunter der Offshore-Windpark „Butendiek“ aus Nordfriesland. 34 Kilometer westlich von Sylt sollen 80 Anlagen zu je drei Megawatt – oder auch mit einer größeren Nennleistung aufgebaut werden, so Wolfgang Paulsen, einer der Geschäftsführer, auf Anfrage.
Die „Butendieker“ planen seit gut sieben Jahren ihren Nordsee-Windpark. Die Mehrheit der rund 8 400 Gesellschafter stammt aus der Region, denn die Initiatoren – neun Nordfriesen – wollen ihr Projekt als Bürger-Windpark realisieren.
Baubeginn wird nicht vor 2009 sein, weiß Mitbegründer Wolfgang Paulsen. Welcher Hersteller die Offshore-Anlagen liefern soll, steht noch nicht fest – Vertragsverhandlungen laufen. Und die finden unter Regie des irischen Partners „Airtricity“ statt. Die Dubliner sitzen offiziell seit November 2006 mit im „Butendiek“-Boot, da die Kosten für den Offshore-Park unter anderem durch die Preissteigerungen für Windkraftanlagen sowie die hohen Anforderungen der Banken bezüglich Gewährleistungen, Bürgschaften und anderen Sicherheiten explodiert sind. „Airtricity“ entwickelt und finanziert nun das Projekt in Abstimmung mit „Butendiek“ weiter. „Wenn alles steht, können wir 50 Prozent des Parks erwerben – aber auch weniger oder sogar verzichten“, so Paulsen. Er ist mit für die Projektentwicklung zuständig und schätzt die Kosten für den Windpark zurzeit auf etwa 800 Millionen Euro.
Neben Anlagen, Fundamenten und Kränen stellt das Thema „Netzanschluss“ ein weiteres Hauptarbeitsgebiet dar: Gespräche mit Eon über den richtigen Zeitplan laufen – denn sobald die Stromerzeugung von See aus beginnen kann, muss auch das Kabel verlegt sein. Durch das Infrastruktur-Beschleunigungsgesetz von 2006 sind nun die Netz-Betreiber – und nicht mehr die Offshore-Pioniere – verpflichtet, für alle Anlagen, die bis 2011 im Bau sind, die Anbindung sicherzustellen – die Kosten dürfen auf die Netzentgelte umgelegt werden. Durch das neue Gesetz hat „Butendiek“ 80 bis 90 Millionen Euro eingespart.
Als drittes Feld gibt Wolfgang Paulsen „Lobbyarbeit“ an, damit Offshore-Projekte auch in Deutschland wirtschaftlich betrieben werden können. „Wir müssen ähnliche Preise für Offshore-Strom bekommen, wie sie in anderen Ländern gezahlt werden.“ Bisher sind in der Bundesrepublik 9,1 Cent pro Kilowattstunde festgelegt. Von 2009 an, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz novelliert werden soll, sind 12 Cent angedacht. In Großbritannien gibt es 15 Cent. Offshore-Windparks werden mit einem großen Anteil „eine der Säulen für den Strom-Markt“ sein, ist Paulsen überzeugt. Aber nur, wenn sich die Politik auch einbringe. Er kann sich außer einer höheren Vergütung auch Zinsverbilligungen oder Zuschüsse vorstellen. „Dem Klima ist es egal, ob in Deutschland oder im Ausland Windkraftanlagen stehen. Aber es wäre gut, wenn wir bei der Offshore-Pionierarbeit dabei sind – nicht nur wegen der Arbeitsplätze.“
Quelle: Husumer Nachrichten vom 15. Sept. 2007