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Pressebericht: Seewind-Branche hofft auf Durchbruch
09.07.2007
Beim Bau großer Windkraftanlagen auf hoher See droht Deutschland ins Hintertreffen zu geraten.
Die jetzt angekündigte höhere Vergütung für den Seewind-Strom sei für die Branche lebenswichtig.
Husum
– Auf 25 000 Megawatt Leistung schätzt Hermann Albers (46) das Potenzial der Offshore-Wind-Industrie in Deutschland. Doch im Zeitplan rutsche sie immer weiter nach hinten, sagt der Windmüller aus Simonsberg bei Husum. „Wir müssen lernen, dass Offshore teurer wird und länger dauert, als wir erwartet haben“, sagt Albers, der seit diesem Frühjahr Präsident des Bundesverbandes Windenergie (BWE) ist. Seine jüngste Prognose: 1500 Megawatt bis 2012. Wenn nun alles nach Plan laufe, könnten 2009/2010 die ersten Offshore-Parks starten. Baltic I vor Hiddensee könnte der erste sein.
Albers begrüßt die Ankündigung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), die Einspeisevergütung für eine Kilowattstunde auf hoher See erzeugten Wind-Stromes von bisher 9,1 Cent auf 11 bis 14 Cent zu erhöhen. Anderfalls laufe Deutschland Gefahr, beim Bau von Windkraftanlagen auf hoher See international ins Hintertreffen zu geraten. Allerdings könne man ja auch von den Problemen der Vorreiter in Großbritannien und Dänemark lernen.
Bisher seien Banken nicht bereit, die teuren Offshore-Anlagen zu finanzieren, sagt Albers. Die Erhöhung der Vergütung sei deshalb dringend notwendig. Länder wie Frankreich, Belgien, Großbritannien und die Niederlande hätten schneller reagiert. Hinzu komme, dass Deutschland aus Umweltschutzgründen Anlagen nur 30 bis 100 Kilometer zur Küste genehmige. In Skandinavien gelten Entfernungen um zehn Kilometer.
Deutschland hat bisher noch gar keine klassischen Offshore-Anlagen. Geplant sind mehrere tausend Anlagen in Nord- und Ostsee. Windlobbyist Albers hält bis 2020 in Deutschland den Bau von Anlagen mit einer Leistung von 10 000 Megawatt für realistisch. Allerdings: Gegenüber dem Wachstum an Land, von derzeit 21 000 auf angepeilte 45 000 Megawatt, ist der Seewind-Anteil auch dann noch bescheiden.
Quelle: Husumer Nachrichten vom 09.07.2007